Metzinger Hofsteige

Metzinger Hofsteige

Unsere Erde –
unsere ureigene Philosophie

Weinbau an der „Hofsteige“ ist etwas ganz Besonderes.

Metzingen im Ermstal ist die „Weininsel“ am Beginn der Württembergischen Weinstraße. Hier reicht die mondäne Outlet-City einer uralten Weinbau-Tradition die Hand. In der verwinkelt erhaltenen Stube der Sieben-Keltern-Stadt mit typisch schwäbischem Flair.

Der etwa 30 Hektar große Weingarten hoch über Metzingen und Neuhausen, in Süd- und Südwest-Ausrichtung ist für Besucher über einen Wein-Erlebnispfad erschlossen. Übers Jahr finden hier geführte Weinwanderungen und Verkostungen statt. Eine alte Winzertradition. Denn Tradition in wohlwollender Auslegung bestimmt das alte und das junge Handwerk am Berg.

Die Weinberge bei Metzingen und Neuhausen, am Fuß der Schwäbischen Alb.
Besen-Zeit im Weinberg

Wichtig sind die Zwischentöne, wenn Jörg Waldner geschäftig von Hektarerträgen, Konsumwein und dem Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie, Tradition und moderner Interpretation erzählt. Der für ihn eigentlich gar keiner ist.

Waldner ist Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft Metzingen-Neuhausen eG. Er berichtet auch von der bitteren Note – dass die Deutschen (eingeschlossen die Region) im Vergleich zu Italienern oder Franzosen so wenig Vertrauen, Stolz und Geschmack an ihren heimischen Produkten finden. Das Besondere wächst immer noch in Australien, Kalifornien, in Stellenbosch oder am Fuß der Anden. Dabei hat heimischer Wein einen so eigenen Charakter, der uns nahe liegt.

„Reben sind ein Unkraut erster Güte“
Lange bevor die Outlet-City entstand war Metzingen Sieben-Keltern-Stadt mit alter Weinbau-Tradition.

Da kommt der Spaß ins Spiel: „Reben sind ein Unkraut erster Güte – aber eins, das von allen alten Pflanzen dieser Welt in den Fruchtständen am meisten Saft entwickelt“, spitzt Frieder Lemmer vom Förderkreis Keltern in einem launigen Vortrag zu.

Aus einem Zeitungsartikel von 2015: „Im begnadeten Metzinger Kleinklima, auf dem mit braunem Jura verbackenen Basalt-Tuff der Kirchheimer Vulkane, wurde im höchstgelegenen Württemberger Rebgarten schon im 12. Jahrhundert ein höfisches Spitzenprodukt erzeugt: Metzinger Wein galt – dem Leben schwärmerisch zugeneigten Mönch Gottlieb aus Zwiefalten – als Verheißung aus einem Berg aus Rahm und Schmalz.“

Besitzer der Weinberge waren um1260 die Universität Tübingen, der Ortsadel und die Klosterherrschaften. 20.400 Liter lagerten damals im Holy-Keller in Metzingen“, beschreibt Frieder Lemmer euphorisch. Überliefert ist die trinkfeste Charakterisierung eines Tübinger Professoren, der fünf Eimer (1.500 Liter) des „Metzinger Florian“ als Besoldungswein erhalten hatte. Von „außergewöhnlich gedeihlicher Qualität: Metzinger Wein hat durch Gottes Gnaden wieder erfrischt!“

Schmuckstück der Weingärtnergenossenschaft ist die neue Vinothek in der Kelter aus dem Jahr 1657.
Rar und gepflegt

Bekannt ist die Lage „Hofsteige“ heuer für Riesling und Rivaner, Spätburgunder und Dornfelder. Spezialisten sind Barrique-Weine auf Eiche, Sondereditionen, die Auslese oder mal ein seltener Eiswein. Auf rund zehn Prozent der Steillagen gedeiht eine erwachsene Bio-Cuvée (gleichzeitig vegan). Gepflegt und gepampert – soweit es deren Bedeutung am Markt erlaubt. Darunter „Herlis“, „Muskaris“ und „Johanniter“. Allesamt pilzresistente Züchtungen aus traditionellen Rebsorten. Ein reifes Bio-Produkt mit ähnlichem Timbre wie seine Vorfahren, aber resoluter. Der weite Fruchtstand kostet in aller Regel bis zu 50 Prozent vom Ertrag.

„Regional schlägt bio“

Im Leistungsbereich „Niveau statt Masse“ ist sei das aber kein zentrales Thema, meint Jörg Waldner. Der Erzeuger brauche für seine Leistung einen Ausgleich. „Das muss zusammenspielen: bio und konventionell, Ökonomie und Ökologie“, beschreibt Jörg Waldner, „das muss sich am Markt widerspiegeln“. Und der Markt sagt eindeutig: „Regional, ressourcenschonend, nachhaltig – schlägt bio“. Das ist der Trend. Für Jörg Waldner ist das schlüssig: „Weil viele Dinge gemacht werden, die der Kunde versteht“.

Um den rund hundert hauptsächlich im Nebenerwerb wirtschaftenden Ermstal-Winzern einen fairen Ertrag für ihre Leistung zu garantieren, ist der konventionelle Rebbau auf hohe Qualität und Niveau getrimmt. Typisch schwäbisch, wird in Maschinen und Ausstattung nur investiert, wenn sich an dieser wichtigen Stellschraube noch etwas drehen lässt. „Man muss sich immer wieder anstrengen“, sagt Jörg Waldner, „der Kunde ist sensibel und hinterfragt“.

Keine Experimente aber viel Engagement

Zu hippen Experimente am Existenzgrad gibt es an der „Hofsteige“ keine Neigung. Das Schöne am Wein ist, dass die Natur mit der Poesie ohnehin ein buntes Windspiel treibt. Was die Kellermeister der Württembergischen Zentralgenossenschaft in Möglingen zu immer neuen Interpretationen treibt.

Ein Bio-Wein mit Botschaft ist die Cuvée, die dem Reptil des Jahres 2020 gewidmet ist: die Zauneidechse findet in den Metzinger Lagen gut und gerne Unterschlupf. In deren Lebensraum haben die Wengerter viel investiert.

Die Weingärtnergenossenschaft ist überzeugtes Gründungsmitglied der Produzentengemeinschaft „Albgemacht„. Eine Initiative, die mit hochwertigen Produkten für eine nachhaltige Bewirtschaftung und den Erhalt der Artenvielfalt steht. „Albgemacht“ – ist alles, was gut für die Region ist und ihr etwas zurückgibt. Dahinter steht das von der UNESCO ausgezeichnete Biosphären-Reservat.

Hochwertige Produkte von Erzeugern aus der Biosphäre.
Dank der Genossenschaft gut aufgestellt

Die Dreiviertel-Liter-Flasche Rot-Weiss-Rosé oder Secco gibt es derzeit zu einem leistungsgerechten Durchschnittspreis von sieben Euro. „Wir spielen nicht in der Champions-League“, kommentiert Jörg Waldner, „wir halten bewusst einen guten Platz in der Bundesliga“.

Wein von der „Hofsteige“ ist überdurchschnittlich prämiert. Keine Edelmarke aber goutiert und auch sehr gerne auf der Speisekarte von erstklassigen Restaurants, die auf regionale Charaktere setzen.

Teil der Hofsteig-Philosophie ist die „Handwerkliche Erzeugertradition“. Jede Traube wandert beim Schnitt durch die Winzer-Hand und wird in Augenschein genommen. „Wir schätzen unser Handwerk. Unser traditionelles Markenzeichen sind die historischen Keltern“, bekennt Jörg Waldner.

„Weinbau in Metzingen“, schiebt der Geschäftsführer hinterher, „gibt es nur dank der Genossenschaft. Wir brauchen uns als Weinregion in den nächsten 20 bis 30 Jahren keine Gedanken zu machen. Unser Stall ist gut aufgestellt.“ Durch den Zusammenschluss sei garantiert, dass alle Flächen bewirtschaftet werden, dass „jedes Mitglied sein Salär bekommt in einem Rahmen, dass die Arbeit Spaß macht.“ Zur ganzen Logistik rund um Absatz-, Markt- und Preispolitik gehöre zwingend auch die Wertschätzung.

Sorge bereitet dem Vineur allerdings der Klimawandel: „Im Schnitt gehen die Erträge zurück. Wir haben öfter Hagel, Frost und trockene Zeiten.“

Alkoholreduziert liegt im Trend

Ein ganz neuer Trend im Weingeschäft sind die alkoholreduzierten und entalkoholisierten Weine als Begleiter zum Essen oder als gekühltes Erfrischungsgetränk. Das Marketing hat junge Frauen mit Familie und Freundeskreis im Blick. Dabei ist Alkohol eigentlich der Geschmacksträger. Die Winzer wollen nicht die gleichen Fehler machen wie zur Einführung der Light-Biere. Die Entwicklung braucht Zeit.

Grundsätzlich, so Jörg Waldner, tendiert der Käufer mehr zu „Weiß“. Weinmixgetränke könnten ein Thema werden. Aber besonders viel traut er dieser Idee noch nicht zu. Waldner setzt auf das starke Gespann aus Tourismus und Gastronomie. Die Alb sei in den vergangenen Jahren ja doch aus ihrem „Dornröschenschlaf“ erwacht.

Jörg Waldner auf dem Wein-Erlebnispfad
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