Schulhaus Gruorn

Schulhaus Gruorn

Gastronomie hinterm Schlagbaum

Michael und Rebecca Siegler betreiben im Auftrag des Komitee zur Erhaltung der Kirche in Gruorn e.V. die Wirtschaft im Schulhaus des untergegangenen Albdorfs im ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen. Der gelernte Koch, Michael Siegler, hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, sich selbständig zu machen. Ein guter Bekannter machte ihn auf den Gastronomie-Wechsel aufmerksam. Ein glücklicher Zufall.

Das Schulhaus in Gruorn hat mit seinen rund 55 Innenplätzen die ideale Größe für ein kleines Familienunternehmen. Auch die Schwiegermutter ist gelernte Köchin. Rebecca Siegler ist Postlerin. Alle flinken Aushilfen sind angelernt und ackern wenn`s sein muß auch das Dreifache. Wie jüngst beim traditionellen Pfingsttreffen in Gruorn, nach zwei Jahren Corona-Pause. „Da war Land-unter. Der Jüngste hat bei Nacht vom Bier-Ausschenken geträumt“, lacht Rebecca Siegler.

Michael Siegler hat seine Ausbildung zum Koch ab 2000 im Hotel Hermann in Münsingen absolviert. Er war 10 Jahre lang in der Produktion des Nudelherstellers Tress in Münsingen angestellt und weitere 10 Jahre in der Restaurantküche des „Albhof“ in Heroldstatt. „Ich hab überall was gelernt“, erklärt der Schulhaus-Wirt, „im Hermann die Qualität, im Albhof das Regionale, das Handwerkliche und Nachtische“.

Existenzgründungs-Konzept gut und schön. Der Gastronomie-Alltag schreibt seine eigene Speisekarte: Soßen, Spätzle, Kartoffelsalat und Knödel werden im Schulhaus in Gruorn längst selbst und von Hand gemacht. „Wir arbeiten mit regionalen Partnern zusammen“, erzählt Rebecca Siegler. Eingebürgert hat sich ein handwerkliches Basis-Angebot: von herzhaften kleinen Gerichten bis zum Rumpsteak mit Spätzle und Salat, einem vegetarischen Gericht wie Camembert oder Käsespätzle, selbstgemachtem Kartoffelsalat, Lautertal-Eis und hausgebackenen Kuchen nach alten Familien-Rezepten. Davon können gar nicht genug auf der Theke stehen. Dazu kommen wechselnde Angebote auf der Tageskarte.

Zum Vespern gibt es bei Gelegenheit selbst gemachte Bratensülze und Wurstsalat mit genetztem Bauernbrot. Entweder in Bio-Qualität vom Bäcker Hoffman in Münsingen oder selbst gebacken. Zur Saison stehen Bärlauchsuppe und Bärlauch-Käsespätzle auf der Tageskarte oder Lamm vom Biosphären-Schäfer Stotz.

Zwischendurch gibt es auch mal einen feinen Seelachs oder Lachsfilet mit Kartoffel-Gurkensalat. Wenn`s nicht mehr so heiß ist stehen Alblinsen auf der Karte und im Winter Wild aus heimischer Jagd. Ochsenmaulsalat ist im Schulhaus der Renner. Vom Putenschnitzel mit frischen Spätzle und Salat gibt es wie von allen anderen Speisen immer auch Senioren-Portionen, gegen Abschlag.

Nach Vorankündigung richten die Sieglers im Schulhaus ein umfangreiches Frühstücksbuffet her – mit Voranmeldung. Etwa an Ostersonntag und an Muttertag. Geplant sind Grillabende als Special-Event oder mal ein Wurstsalat-Buffet.

Die Saison in Gruorn inmitten des ehemaligen Truppenübungsplatzes spielt sich zwischen Karfreitag und Allerheiligen ab, täglich von 11 bis 17:30. Es sei denn, es regnet Hunde und Katzen. Montag ist generell Ruhetag.

Das ehemalige Albdorf Gruorn, mit der berühmten Stephanus-Kirche und einem Schul- und Heimatmuseum in der Oberklasse des alten Schulhauses, steht für das Schicksal eines untergegangenen Dorfes und eine einzigartige bürgerliche Initiative. Das Ensemble auf der Anhöhe ist zur Fahrrad- und Wandersaison auf der Alb ein Magnet für Ausflügler und Einheimische. Immer wenn die Stephanus-Kirche und das Museum besichtigt werden können ist auch die Gastronomie geöffnet. Als Rast am Wegkreuz zwischen den beschrankten Zugängen zum ehemaligen Truppenübungsplatz.

Die Distanz zum Schlagbaum in Auingen beträgt 9 Kilometer, nach Feldstetten 8 Kilometer, zur Trailfinger Säge knapp zwei Kilometer und nach Zainingen gut 6 Kilometer. Zugelassen sind ausschließlich Wanderer, Spaziergänger und Fahrradfahrer Der Betrieb des ehemaligen Truppenübungsplatzes verlangt, dass Besucher des Albdorfs Gruorn die Begehungsvorschriften einhalten: Die mit gelber Raute gekennzeichneten Wege dürfen nicht verlassen werden.

Nach Voranmeldung in der Gastwirtschaft (0172 4697566 / Schulhaus.Gruorn@gmx.net) oder im Tourismusbüro in Münsingen sind Gruppen-Events in Verbindung mit einem Besichtigungsprogramm möglich. Das Gruorner „Komitee zur Erhaltung der Kirche Gruorn e.V.“ stellt gerne Führungen zusammen.

Aktuelle Infos gibt es auf facebook:

https://www.facebook.com/people/Schulhaus-Gruorn/100057181610731/

Gruorn – eine Geschichte, die zu Herzen geht

Adam Goller oder „der Schultes von Gruorn“ (ehrenhalber), wie ihn vor fast 50 Jahren viele nannten, ist im Albdorf geboren, im Dorfkirchlein getauft und konfirmiert worden. Zu meiner Zeit als Redakteurin beim Alb Boten in Münsingen war er schon im Unruhestand. Aber wenn es darum ging, an das Leid der Familien in Gruorn zu erinnern, die ihre Heimat verlassen mussten. Wenn es um den Erhalt von Steinen, Geschichten und Heimat ging, war „Mätte“ der erste Ansprechpartner.

Die Häuser und Hofstellen des Bauerndorfes zerfielen und mussten abgerissen werden. Weil das Betreten der Ruinen gefährlich war. Nur das Schulhaus wurde zu militärischen Zwecken erhalten. Die entwidmete Gruorner Stephanus-Kirche konnte in letzter Stunde vor dem Verfall bewahrt und die unschätzbaren Fresken aus dem 14. Jahrhundert erhalten werden. Adam Goller erhielt für den hartnäckigen Widerstand der Gruorner Nachfahren stellvertretend das Bundesverdienstkreuz.

„Noch immer geht die einzigartige Geschichte des Dorfes den Menschen ans Herz“, steht in einem aktuellen Artikel der Stuttgarter Zeitung. Im ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen sind rund 50 km Wander- und Radwege durch weitestgehend unberührte Alblandschaft entstanden. „Wo früher Krieg gespielt wurde, hat heute die Natur ihren Frieden“, formuliert die Stuttgarter Zeitung.

Vielleicht ist es die allgegenwärtige Stille, die den Menschen hier so klein macht. Vielleicht ist es das leuchtend rote Kirchendach oben am Hügel, das etwas andeutet, was fehlt. Dieser Ort hat etwas ganz Besonderes. Ein Kirchenrundgang und der Besuch des mit viel Liebe hergerichteten Museums im Schulgebäude kostet wenig Zeit und kann mit einer Erfrischung bei den Wirtsleuten Michael und Rebecca Siegler in der „Unterklasse“ enden.

Kaum zu glauben – aber die Schulhaus-Wirte und ihr Team haben sich hinterm Schlagbaum zusätzlich zum Ausflugsbetrieb längst ein treues Stammpublikum bei Einheimischen und Bediensteten herangezogen. So wie es sich für eine Dorfwirtschaft gehört hätte. Beim Service ist Selbstbedienung angesagt. Was die Gäste bei aller Freundlichkeit kaum stört.

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